Radio für Sehbehinderte und Blinde

Das Schweizer Unternehmen Bones steht mit dem Milestone 312 seit Jahren für technologische Exzellenz in der Blindengemeinschaft. Die Aufgabenstellung dieses Projekts bestand darin, die bewährte Plattform in ein dediziertes Blindenradio zu transformieren. Dabei galt es, die Bedürfnisse der Primärpersona (blinde und stark sehbeeinträchtigte Menschen) mit denen der Sekundärpersona (Angehörige und Spitex-Fachkräfte, die bei der Ersteinrichtung unterstützen) zu harmonisieren.

Ein zentraler Innovationsschritt war die Erweiterung des Interfaces um fünf dedizierte Favoritentasten sowie ein kontrastreiches Display. Da das neue Gehäuse den physischen Raum bietet, ermöglicht diese Ergänzung einen direkten Zugriff auf Lieblingssender ohne komplexe Menüführung – eine signifikante Erleichterung im Alltag.


Leistungen

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Kontext: Formfabrik AG
Kunde: Bones
Status: Konzeptions Phase

Ziel des Projekts ist die Erweiterung der bestehenden Milestone-Produktfamilie um ein stationäres Blindenradio, das die bewährte haptische Präzision und die reduzierte Interaktionslogik der Modelle 112, 212 und 312 konsequent fortführt. Dabei soll ein durchdachtes Design für ein Tischgerät entwickelt werden, das eine hohe Bedienqualität mit einer gewissen Mobilität vereint. Die zentrale Herausforderung liegt in der Gestaltung eines inklusiven Bedienkonzepts, das blinden Menschen durch taktile und auditive Rückmeldungen maximale Selbstständigkeit ermöglicht, während sehende Begleitpersonen das Gerät dank ergänzender visueller Unterstützung ohne Einarbeitung intuitiv steuern können. Das Endprodukt soll somit die Barrierefreiheit stärken und die Interaktion zwischen Nutzern und unterstützenden Personen durch eine klare und intuitive Gestaltung sinnvoll fördern.

Die Steuerung wirkt zunächst komplex, da wenige Tasten mehrfach belegt sind, ihre Funktion vom aktuellen Zustand abhängt und die Navigation überwiegend linear sowie auditiv erfolgt. Dennoch funktioniert dieses System in der Praxis sehr gut. Der Grund liegt in einer klaren, lernbaren und konsistenten Logik: Die haptisch eindeutig unterscheidbaren Tasten ersetzen visuelle Orientierung, während Audio-Feedback jeden Schritt verständlich macht. Durch Wiederholung entsteht ein Muskelgedächtnis, und die reduzierte, stabile Systemstruktur verhindert Überforderung.

Mit der Zeit entwickeln Nutzer ein mentales Modell des Geräts, wodurch die Bedienung von anfänglicher Komplexität zu einer intuitiven, nahezu automatisierten Handlung wird – oft sogar „blind in der Jackentasche“. Gerade diese Kombination aus reduzierter Hardware, konsistenter Logik und auditiver Rückmeldung macht den Milestone 312 zu einem zuverlässigen Werkzeug für eine selbstbestimmte Nutzung im Alltag.

Eine Taskanalyse zeigt jedoch, dass für spezifische Benutzerziele, insbesondere das gezielte Navigieren innerhalb von Inhalten, je nach Ausgangslage eine hohe Anzahl an Interaktionen erforderlich ist. In einzelnen Szenarien können über 40 Eingaben notwendig sein, um ein konkretes Ziel zu erreichen. Diese lineare Interaktionslogik führt zu erhöhtem kognitiven Aufwand und kann trotz der grundsätzlich gut erlernbaren Bedienstruktur zu Frustration führen. Dieses Spannungsfeld zwischen robuster, lernbarer Interaktion und ineffizienten Detailabläufen bildet eine zentrale Grundlage für die Weiterentwicklung des Systems.

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Portfolio von Manuel Rossegger